Weltknigge - Richtiges Verhalten im Ausland
Internationale Gefahrenherde, für die selbst wir nicht haften.
Ägypten
Sie suchen ein Gespräch unter vier Augen mit Ihrem ägyptischen Geschäftspartner. Dieser wird jedoch ständig durch Telefonate oder Besuche gestört. Bewahren Sie ruhig Blut! Erwarten Sie von Ihrem Partner nicht, dass er die Anrufer abwimmelt – das gilt als extrem unhöflich. Unterlassen Sie den strengen Blick auf die Uhr oder das ungeduldige Trommeln auf Tisch oder Aktenkoffer – sonst laufen Sie Gefahr, als Erster zu gehen.
Arabische Länder
Ihr arabischer Geschäftspartner übt sich in Taktik. Die Verhandlung ist schwierig – Sie überlegen. Währenddessen spielen Sie aus Gewohnheit, ohne darüber nachzudenken, mit Ihren Fingerspitzen. Achtung! Hände weg vom Spiel mit den Fingern in arabischen Ländern – dies wird als richtig derbe persönliche Beleidigung verstanden – und kann zu handgreiflichen Kontern führen.
Australien
An australischen Verhandlungstischen geht’s zur Sache. Hier gibt es sie noch, die lebendige Streitkultur, in der Meinungsverschiedenheiten ausgetragen und Konfliktthemen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Weichen Sie nicht aus! Sie sind schließlich bis ans andere Ende der Welt geflogen, um Ihre Interessen zu vertreten.
Benelux Länder
Gehaltsgrößen, intime Wirtschaftsangelegenheiten, Diskussionen um Preis-, Währungs- und politische Fragen wie der Dauerkonflikt zwischen Flamen und Wallonen, der Zweite Weltkrieg oder die Monarchie sind Tabu! Deshalb Vorsicht bei der Themenwahl – sonst verbrennen Sie sich den Mund!
Brasilien
Sie sind bei Ihrem brasilianischen Geschäftspartner um 20 Uhr zum Essen eingeladen. Ihr Gastgeber rechnet frühestens um 20.30 Uhr mit Ihnen. Überraschen Sie ihn also nicht beim Gongschlag unter der Dusche oder noch bei den Vorbereitungen. Sie wecken sonst den Eindruck hinter dem schnellen Geschäftserfolg her zu sein.
China
Yin und Yang müssen auch im chinesischen Geschäftsleben im harmonischen Gleichgewicht sein. Lassen Sie sich bei Business-Streitigkeiten im Reich der Mitte niemals gehen und verlieren Sie Ihr Gesicht nicht. Wenn Sie vor Ärger aus der Haut fahren, dann gelten Sie als extrem uncool und nicht vertrauenswürdig!
Dänemark
Absolute Dont’s in Dänemark sind angeberische Selbstdarstellung und exaltiertes Selbstvertrauen. Wer sich besser, klüger, reicher, schöner als alle anderen dünkt, läuft im egalitären Dänemark Gefahr, sich die stolzgeschwellte Brust zu prellen.
Dubai
Bevor Sie im moslemischen Emirat Dubai Ihren gerade errungenen Geschäftserfolg mit Hochprozentigem begießen, sollten Sie sich vor Ort genau informieren, wo es in Tausendundeiner Nacht die Grauzonen (meist Hotels) gibt, in denen der Genuss von Wein, Bier oder Schnaps toleriert wird. Achten Sie darauf, dass man in Dubai City bei Verstoß ein, in Sharjah aber kein Auge zudrückt.
Finnland
Als Zeichen exzellenter Geschäftskontakte und bester Beziehungen in den hohen Norden werden Sie in die finnische Sauna Ihres Geschäftspartners eingeladen. Verstehen Sie diese Einladung als heißen Vertrauensbeweis und schlagen Sie ihn auf keinen Fall ab! Üben Sie zuhause das Wechselspiel von Aroma-Aufguss, Fußbad und kalter Dusche – damit Sie sich vor Ort keine Blöße geben und Ihr Kreislauf versagt.
Frankreich
Geradlinigkeit und Zielstrebigkeit sind sicher auch in Frankreich willkommene und honorierte Eigenschaften. Doch wenn Sie bei einem Restaurantbesuch in Begleitung Ihres gallischen Geschäftspartners zielstrebig zur freien Platzwahl preschen, ohne den Kellner zu berücksichtigen, dann haben Sie nicht nur den „Garçon“ konsterniert – sondern auch ein Malheur mit Ihrem französischen Partner.
Griechenland
Berücksichtigen Sie beim Umgang mit Ihrem stolzen griechischen Geschäftspartner, dass ihm die positiven Leistungen wie Demokratie, Philosophie und Olympia präsenter sind als die unrühmlichen Dinge, die Griechenland heute vorweist. Vermeiden Sie deshalb national demütigende Themen wie den Zypern Konflikt bei Geschäftsessen, um nicht den göttlichen Zorn des Zeus zu erregen.
Großbritannien
Briten lieben Humor und personal understatement! Wenn Sie als Besserwisser oder Belehrer auftreten – und das auch noch als Deutscher – dann laufen Sie Gefahr, dass Sie den richtigen Draht zu Ihrem Business-Partner gar nicht erst bekommen. Zeigen Sie also Nehmerqualitäten und nehmen Sie sich ruhig mal selbst auf die Schippe!
Indien
In Indien steht Freundschaft vor dem Geschäft. Lernt man einen weiblichen Geschäftspartner kennen, dann begrüßt Sie die Dame mit der vornehmen namaste-Geste: sie hält beide Hände mit den Fingerspitzen zusammen unters Kinn und nickt mit dem Kopf. Tun Sie es ihr gleich und verzichten Sie auf das harte „imperialistische“ Händeschütteln. Sie laufen sonst Gefahr, sie gleich zu brüskieren.
Israel
Die besten Geschäfte macht man bekanntermaßen bei Tisch. In Israel sollten Sie dem Menüvorschlag Ihres Gastgebers folgen. Über diese Speisenauswahl erfahren Sie nicht nur einiges über seinen Gaumen, sondern auch über seinen Glauben. Isst er mit Ihnen koscher (Kühe, Schafe – kein Schwein!, Fisch – aber keine Schalentiere!) ist er ein orthodoxer Jude und Sie sollten bei unorthodoxen Angeboten vorsichtig sein!
Italien
Kleider machen Leute – und das nicht nur in Mailand und Florenz. In ganz Italien wird wert auf „la bella figura“ gelegt. Denn das äußere Erscheinungsbild wird hier als ein Spiegel der inneren Werte und eine Wertschätzung des Geschäftspartners angesehen. Achten Sie auf ein gepflegtes Äußeres und den entsprechenden Chic, damit Sie nicht einem schnellen Kapitalverbrechen zum Opfer fallen: dem Rufmord.
Japan
Scharfes Sushi und die Nase läuft! Was liegt näher als der Griff zum Taschentuch? Ein kräftiger Schneuzer … und Sie haben sich um einen Geschäftserfolg erleichtert! Nippon-San wird Ihnen diesen Fauxpas niemals verzeihen. Das wäre so als würden Sie hierzulande jemand in die Suppe spucken.
Korea
Beim koreanischen Business-Mahl bitte niemals die Stäbchen in den Reis stecken oder Esswaren mit Stäbchen weiterreichen. Das verdirbt Ihrem Partner tödlich den Appetit, weil es dem „Grabmahl“ vorbehalten bleibt, bei dem nach dem Krematorium die Knochen der Familienangehörigen mit Stäbchen aus der Asche genommen und von Stäbchen zu Stäbchen untereinander weitergegeben werden.
Norwegen
Der Dramatiker Henrik Ibsen, der Maler Edvard Munch, der Komponist Edvard Grieg … – so unbekannt und unspektakulär uns das Land im hohen Norden Europas erscheint, so sehr haben norwegische Künstler und Literaten die europäische Kultur geprägt. Norden Sie sich vor Ihrem Business-Trip kulturell richtig ein – sonst laufen Sie Gefahr, als Kulturbanause zu gelten.
Saudi Arabien
Achtung Linkshänder: während Knigge Deutschland Ihnen erlaubt das Messer in die „falsche“ Hand zu nehmen, müssen Sie in Dubai und Co. umdenken. Denn mit der als unrein angesehenen linken Hand darf nicht gegessen werden! Auch Visitenkarten oder Geschenke sollten nicht mit links übergeben werden, wenn Ihnen Ihr Geschäftstermin heilig ist.
Schweden
Sie kommen zwar nicht hinter schwedische Gardinen, doch Sie ernten ein semmelblondes Kopfschütteln, wenn Sie sich in Schweden bei größeren Banketten auf die internationale Sitzordnung berufen. Nej! Hier werden die Stühle anders verteilt. Ehepaare, die sich sowieso nichts mehr zu sagen haben, sitzen immer an getrennten Tischen. Und gesetzt den Fall Sie sind Ehrengast, dann werden Sie mit dem Platz zur Linken der Gastgeberin verwöhnt (und nicht zur Rechten).
Spanien
Siesta bleibt Siesta, basta! Denn Siesta ist eine spanische Institution wie die Corrida, die Alhambra, die Königsfamilie oder Don Quijote. Sie tragen der spanischen Institution „Siesta“ gebührend Rechnung, indem Sie statt eines schweißtreibenden Business-Gesprächs zwischen 13 und 16 Uhr die Füße still halten – sonst legt man Ihnen Fesseln an!
Singapur
Unter dem multikulturellen, klimatisierten Dach Singapurs herrscht harter, aber herzlicher Wettbewerb. In der zielstrebigen Lion City ist das Streben nach schnödem Mammon nicht anrüchig, sondern common sense. Wenn Sie hier allzu bescheiden und schüchtern tun, unterstellt man Ihnen mangelhaftes Durchsetzungsvermögen und fehlendes Gewinnstreben.
Südafrika
Sie betrachten das Begrüßungsritual schwarzer Freunde oder Geschäftspartner. Rasant wird ein komplizierter dreifacher Handschlag ausgeführt, bei dem die kleinen Finger verhakt, dann die Fäuste umfasst und wieder die Finger ineinander gehakt werden. Ungeübte! Hände weg! Sonst wird Ihr Geschäftspartner unter Umständen handgreiflich.
Türkei
Wer den geschäftstüchtigen Mann vom Bosporus als Partner hat, der sollte darauf achten, dass er ihm in Wort, Tat und vor allem auch im äußeren Erscheinungsbild Achtung und Wertschätzung entgegenbringt. Knallbunte Krawattenmuster, speckiges Haar und trashiger Drei-Tage- Bart gehen gar nicht! Begeben Sie sich freiwillig unters Messer – sonst verpasst Ihnen womöglich Ihr Geschäftspartner eine Abfuhr, die sich gewaschen hat.
USA
Amerikaner kommen in Business-Gesprächen gern schnell zur Sache. Ewig um den heißen Brei zu reden und sich in Darstellungen zu ergehen, kostet Zeit und Geld. Passen Sie auf, dass Sie Präsentationen knapp halten, damit Sie die Nerven Ihrer Zuhörer nicht überstrapazieren.